6 Kommentare zu “November-Blues”

  • Yep, der November-Blues kommt hier sehr gut rüber. Vielleicht fährt die S-Bahn ja wenigstens gen Süden..

  • Ja, das wär schön.
    Diese hier fuhr 2001 genau nach Westen.

  • Stefan schreibt am 27. November 2005

    Uups, bei solchen genialen Bildern erscheint Angst in einen ganz neuen Licht. Der Spiegel, der diese Umgebung auf uns zurückwirft läßt nichts Gutes erahnen. Die geringe Wertschätzung des Äußeren zwingt uns unweigerlich zum Blick ins Innere. Ich habe manchmal das Vorurteil, dass die Menschen dort krank aussehen und Angst haben – nur vor was? Das schöne ist doch dann wirklich, dass die S-Bahn einen dort wegbringen kann und doch bin ich dem morbiden Charme dieser Umgebung erlegen. Doch wie geht es denjenigen, die dort wegwollen, es aber nicht können? Welche Bedeutung hat dann dieser Charme…?

  • Die geringe Wertschätzung des Äußeren spiegelt sich doch viel mehr in der modernen Sucht wieder, alles mit stählern-glitzernden Fassaden zu überdecken. Ein Schicksal, das ja auch für das Ostkreuz geplant ist.
    Charme ist sicher immer eine ganz subjektiv empfundene Eigenschaft, von Orten nicht anders als von Menschen. Vielleicht bedarf es einer besonderen Herangehensweise, Charme dort zu finden, wo andere sich nur unangenehm berührt abwenden?

  • Stefan schreibt am 28. November 2005

    Gewiss – dennoch glaube ich, dass das eine mit dem anderen nicht unweigerloich verglichen werden sollte. Meine Frage ist, was zwischen diesen Polen von lebloser Funktionsarchitektur und der Morbidität gelebt wird. Die Idealisierung beider Pole scheint nicht das Leben derjenigen widerzuspiegeln, die sich diesen Charme möglicherweise nicht hingeben wollen oder können. Ein Ort ist vielleicht auch immer mehr als nur die Bedeutung, die ich als Einzelner ihm zuschreibe – auch wenn ich diese Bedeutung als dier für mich einzig relevante erkläre. Durch den Austauch über diese meine Bedeutung kann ich diese ergänzen, erneuern oder bestätigen. Ich fände es spannend, Menschen zu hören, die aufgrund ihres Alltag oder diskrepanter Erfahrungen mit diesem Ort – ich denke zum Beispiel an Rollstuhlfahrer – ihre besondere Herangehensweise mitteilen. Meiner Ansicht nach sind öffentliche Orte auch immer Orte sozialer Begebenheiten und auch das macht ihren “Charme” aus oder eben auch nicht. Ich finde zum Beispeil das Ostkreuz einen wunderbaren Ort, in dem die Jahrzehnte der Vergangenheit zu spüren sind und ich eine Ahnung bekomme – so stelle ich es mir oft vor -, wie z.B. vor 40 Jahren die Menschen auf ihren Zug gewartet haben, wie sie gekleidet waren, was sie gesprochen haben usw. Eine schöne Romantik, für die man auch zugänglich sein muss und – noch wesentlicher – für die man zugänglich kann. Alltagserfahrung halte ich für genauso zu einem Ort gehörig als der schöne Blick von oben. Und doch bin ich in allen diesen Fotografien vernarrt. Prima!

  • Keine Frage, daß dieses Erleben von Romantik und Nostalgie reiner Luxus ist, für dessen Genuß man die Zeit braucht, die nötige Offenheit – und gute körperliche Verfassung. Für Rollifahrer dürfte das Ostkreuz schlicht unpassierbar sein. Keine einzige der Treppen käme man ohne 1 oder 2 Hilfskräfte hinauf oder hinunter.
    Der auch für die meisten andern Reisenden mangelnde Komfort, vor allem bei schlechtem Wetter, steht ebenso ganz außer Frage.
    Aber all das ist nur 1 Seite der Verkehrsmedaille, nämlich die, welche davon ausgeht, daß Reisen und hier insbesondere Umsteigen ein stetig zu optimierender Vorgang sei. Optimieren im Sinne von schneller machen und im Schnellen möglichst noch besonders viel konsumieren: Waren und Reklame.
    Die andere Seite, die Reisen oder Unterwegssein ansich als das Wesentliche annimmt, hat es nicht eilig und scheut auch keine Umstände, würde fraglos beim Treppentransport eines Rollis mitanpacken oder beim Schleppen von Koffern von Bahnsteig A nach E.
    Problematischere Alltagserfahrungen ins Bild zu setzen, wie du wohl meinst, Stefan, versuche ich immer wieder, ist aber gerade in Bezug auf die abzubildenden Menschen schwierig, will man diese nicht noch zusätzlich stigmatisieren.

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