Es ist gar nicht so lange her, da bekräftigte die S-Bahn-Berlin GmbH, dass sie ihre örtlichen Aufsichten von den Stationen auf keinen Fall abziehen wollte. Personal würde dort gespart werden, wo es der Kunde nicht sieht, zum Beispiel durch Elektronische Stellwerke. Einige Zeit später, in einem noch tiefer in der Finanzmisere steckenden Berlin, muss dies revidiert werden und außer an wichtigen Bahnhöfen wird es in Zukunft keine Aufsicht mehr geben. Das Abfertigen übernimmt der Triebfahrzeigführer selbst (ZAT) und für Fragen gibt es Infosäulen.

Schade, schade. Sprechanlagen und Kameras können keinen Menschen ersetzen. Sucht man Hilfe, wird man sicher lieber zur Aufsicht gehen und die gefühlte Sicherheit steigt deutlich, wenn ein wachender Mensch unmittelbar in der Nähe ist. Schließlich weiß man ja nicht, ob gerade jemand durch die Kamera guckt und gegebenenfalls Hilfe losschickt, die erst einmal kommen muss. Bis dahin ist es meist eh zu spät und laut der BVG, deren U-Bahnhöfe schon seit Jahren unbesetzt sind, steigte die Zahl Graffitti und Vandalismusschäden stark an.
Gerade bei Störungen wünscht man sich eine Auskunft, die einem weiterhelfen kann, ob wann wie was fährt und welche Alternativen es gibt. Hier schlägt sozusagen die Sternstunde der Aufsicht. Doch wie sich heute wieder gezeigt hat, ist dies leider nur ein Traum.

Von Charlottenburg sollte es zur Spätschicht nach Ahrensfelde ins Stellwerk gehen. Eigentlich kein Problem, rein in die S7 und fertig. Auf dem Bahnsteig auf den Zug wartend beginnt das Grauen. Aufgrund einer Weichenstörung in Lichtenberg fahren die S5, S7 und S75 unregelmäßig, es kann zu Zugausfällen kommen wie zum Beispiel bei den nächsten Zügen nach Wannsee und Spandau. Gut, das ist die andere Richtung, es sollte also kein Problem sein. Kurz darauf ruft der Azubi aus der Frühschicht an und meint, dass da die Hölle los ist und ich mal lieber im Stellwerk selbst anrufen soll, ob überhaupt noch etwas fährt. Außerdem sei die Störung nicht Lichtenberg, sondern in Biesdorfer Kreuz. Mangels Telefonguthabens fällt der Anruf leider ins Wasser. Bis Friedrichstraße geht alles glänzend, dort endet der Zug und fährt zurück nach Wannsee. Wie schön, dass der Bahnsteig überfüllt ist und man mit dem Fahrrad eher böse Blicke auf sich zieht. Aber was soll’s, das kann passieren, warten wir eben die nächste S7 ab. Gute zehn Minuten passiert nichts, angekündigt ist die S9, die alle 20 Minuten fährt und in dem Moment die einzige Linie ist, die über die Stadtbahn ostwärts noch fährt. Dass man zum Alex und zum Ostbahnhof mit dem Regionalexpress kommt, der in wenigen Minuten fährt, ist nicht erwähnenswert. Um den bestimmt sowieso vollen Zug nicht mit dem Rad noch weiter zu verstopfen renne ich also treppab und treppauf zum Regionalexpress, um wenigstens ab Ostbahnhof mit der S3 bis Warschauer Straße zu kommen, vielleicht fährt da ja etwas. Dort angekommen wartet die S3, kurz darauf fährt die S9 ein. Ich lausche gespannt, ob vielleicht etwas davon gesagt wird, dass eine Station weiter vom gleichen Bahnsteig vielleicht die Einsetzer fahren. “Eingefahrener Zug nach Flughafen Schönefeld über Treptower Park, Baumschulenweg, Schöneweide. Zug hält nicht in Ostkreuz.” Ahja. Immerhin ist er leer und wirklich füllen tut er sich auch nicht, da die Fahrgäste auf dem Bahnsteig auf ihre S-Bahn warten. Eine Station weiter dann die Sensation: Gegenüber steht ein Zug nach Wartenberg! Mein Herz schlägt höher, vielleicht fährt ab Springpfuhl ja etwas zu meinem geliebten Ziel Ahrensfelde. Doch auch hier ist den spärlichen Ansagen nicht anzuerkennen, dass es irgendwelche Unregelmäßigkeiten geben könnte. Immerhin, ab und an wird auf der Fahrt bekanntgegeben, dass der Zug nach Strausberg folgt. Leider ist das der Falsche für mich, aber was soll’s. Einmal wird sogar gesagt, dass Fahrgäste nach Ahrensfelde bis Springpfuhl mitfahren und dort umsteigen sollen. Springpfuhl, fünf Stationen vor der ersehnten Bahnsteigkante, steige ich aus und warte auf weitere Informationen. Diese folgen kurz darauf und besagen, dass es in etwa zehn Minuten weitergeht nach Ahr. Mir kommt das spanisch vor und ich schwinge mich auf mein Rad und fahre den Rest auf der hübschen vierspurigen Betonplattenstraße ans Ziel, bei wunderbarstem Sonnenschein und 30°C im Schatten. Völlig entkräftet schleife ich mich die Stufen in den Stellwerksraum hoch und bin überrascht, dass ich nur dreißig Minuten später bin. Fünfzehn Minuten nach mir kommt dann wieder der erste Zug aus der Stadt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Würde ich mich nicht für die S-Bahn interessieren und hätte ich nicht mein Fahrrad dabeigehabt, wäre die halbe Stunde schnell zu mehr als einer ganzen geworden. Irgendeine Information an die Fahrgäste, dass ab Warschauer Straße wieder mehr fährt? Fehlanzeige. Informationen um Chaos oder vielleicht ein “wir bitten um Verständnis”? Nix. Und leider war dies heute keine Ausnahme.

Dass Störungen auftreten kann vorkommen und wenn der Fahrgast informiert wird, wieso er warten muss oder im schlimmsten Falle nichts fährt hat er mehr Verständnis als bei Totenstille. Dass in solch einem Fall alle im Stress sind ist klar und dass sich da schnell etwas ändern kann wie bei endenden Zügen oder der Zugreihenfolge ist auch kein Problem. Der Fahrdienstleiter Bik S hatte sicher auch etwas anderes zu tun als der Aufsicht in Springpfuhl zu sagen, wann genau welcher Zug kommt. Wenn sich aber unser Unternehmen auf die Fahnen schreibt, dass der zahlende Kunde König ist und dass die Fahrgastinformation absoluten Vorrang hat, dann sollte dies vielleicht auch einmal durchgesetzt werden. Da helfen auch keine Artikel in der BahnZeit, die einen glauben machen wollen, dass dies sowieso schon der Fall sei. Ich möchte auch nicht gegen die vielen engagierten Aufsichten wettern, die den Fahrgästen wirklich so gut sie können weiterhelfen, aber es ist leider immer wieder zu beobachten, dass sich die Mitarbeiter dann ganz schnell verstecken, wenn es auf sie ankommt. Sicher müssen sich die Mitarbeiter von Kunden schon einiges gefallen lassen, aber es macht eben ein verdammt schlechtes Bild, wenn sie wegen einiger Pöbler gar nicht mehr zu sehen sind. Denn dann werden sich viele fragen, wieso es schlimm sein soll, die meisten Bahnhöfe und Haltepunkte unbesetzt zu lassen, wenn es doch eh keinen großen Unterschied mehr macht.