Es ist leider mal wieder passiert. Am Montag brannte ein Wagen der BR 480 im Anhalter Bahnhof aus. Das ist das vierte mal, dass es bei dieser Baureihe passiert ist, weswegen sie intern schon den Spitznamen “Toaster” hat. Einmal brannte in Lichtenrade ein Wagen aufgrund eines Kabeldefektes, einmal in Tegel sowie kurz nach der Ausfahrt aus dem Nord-Süd-Tunnel Yorckstraße wegen eines Problems im Lüftungssystem (beide Male am Anfang der Heizperiode, da energiesparend die Motor- und Bremsabwärme zum Heizen der Waggons benutzt wird) und nun ausgerechnet im Tunnel.
Zum Glück ist nichts übles passiert, außer drei Leichtverletzten, einem dreckigen Bahnhof mit maroder Decke, zwei verkohlten Wagen und einem Chaos auf der Nord-Süd-Bahn ist dank des vorbildhaften Handelns der Triebfahrzeugführer und der Bahnhofsaufsicht, für die sie auch bereits geehrt wurden, sind zum Glück keine Toten zu beklagen. Interessanterweise stürzt sich aber die Tagespresse trotz des ausklingenden Sommerloches nicht wie zu erwarten wäre mit langen Berichten, Expertenmeinungen, Augenzeugenaussagen und großen Forderungen auf das Thema. Die recht kurzen Artikel verstecken sich zwischen den Berichten über die Unterspülung auf der Stadtautobahn und den vielen Feuilletonmeldungen. So kommt es auch nicht zu großen Forderungen, erst einmal alle Fahrzeuge der Baureihe aus dem Verkehr zu ziehen wie es die BVG nach dem zweiten Brand eines GII-Wagens tat, was ohnehin wenig Sinn machen würde, da es sich um verschiedene Ursachen handelte. Lediglich ein fehlender zweiter Ausgang auf dem Bahnhof wurde beklagt (neben dem einzigen stand wie vor einigen Jahren auf dem Bahnhof Deutsche Oper der brennende Wagen).
Ein interessanteres Thema jedoch ist das Gedankenspiel, was passiert wäre, wenn die Bahnsteige und vielleicht sogar die Züge unbesetzt gewesen wären. Laut der Feuerwehr wurde das mögliche Horrorszenario nur durch das besonnene Handeln der Fahrer und der Aufsicht verhindert. Aber was wäre, wenn es einen oder gar beide nicht gäbe?
Durch den Lauf Geschichte hat die S-Bahn ihre Abfertiger auf dem Bahnsteig bis heute beibehalten. Alle freuen sich und selbst die S-Bahn Berlin GmbH wirbt damit, nicht zuletzt wegen des unschätzbaren Services für die Fahrgäste, immer einen Ansprechpartner bei Fragen zu haben. Bis zum letzten Jahr wollte die S-Bahn daher ihre Aufsichten auch nicht streichen. Dank der Sparpläne des Senats ist dies leider nur noch ein Traum. Schweren Herzens zieht die S-Bahn die Rotkäppchen in wenigen Jahren von den Bahnhöfen ab. Zwar werden keine Stellen gestrichen, aber Arbeitsplätze gehen durch die fehlende Neubesetzung dennoch verloren. Der Brand hat aber einen weiteren Aspekt gezeigt. Unbesetzte Bahnhöfe gehen so lange gut, wie nichts passiert. Hätten die Aufsichten die Fahrgäste nicht ins Freie geleitet, wäre vielleicht mehr passiert. Ein Chaos mit einigen Toten oder zumindest schwer verletzten wäre bei unbesetzten Zügen jedoch ziemlich sicher gewesen. Sicher kann man viel Geld sparen, wenn man Automaten die Menschenarbeit überlässt, aber es sollte in den rein finanziellen Gedanken jedoch nicht vergessen werden, dass der Mensch auch den Vorteil besitzt, dass er auch in Notfällen handeln kann, wenn unsere Helfer versagen. In einem Vorfall wie auf dem Anhalter Bahnhof hätten SELTRAC, LZB 501 oder STAR nichts anderes getan als die Züge zum Stehen gebracht bzw. in den verqualmten Bahnhof einfahren lassen, da das System den Rauch nicht gesehen hätte und eine Notbremsung der Fahrgäste im Tunnel erst im nächsten Bahnhof zum Halt führt.
Solange Debatten um die Abschaffung von Personal nur aus Kostengründen gemacht werden, sollten die Verantwortlichen überlegen, wie es mit der Sicherheit steht, wenn etwas schief läuft. Bei Stellwerken mögen Rechner fehlerfreier als Menschen sein, aber es gibt eben auch Gebiete, wo dies im Notfall nicht so ist. Hoffentlich überlegen sich die Köpfe an den Sparhähnen noch einmal genau, ob es noch etwas anderes als Rationalität gibt und wie viel ihnen ein Menschenleben wert ist.